Pressespiegel
Kölner Stadtanzeiger, 01.02.2001
Obdachlosen-Initiative
Sie bauen auf eine bessere Zukunft
Menschen ohne festen Wohnsitz schaffen sich ein Zuhause
Von Markus Düppengießer
Ossendorf - Obdachlose werden bodenständig, bauen sich ihr eigenes Zuhause: die Verantwortlichen der „Initiative Bauen-Wohnen-Arbeiten" haben mit viel größeren Schwierigkeiten gerechnet, als sie vor zwei Jahren anfingen, gemeinsam mit den Betroffenen auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Klerken Wohnungen herzurichten. „Der Schritt von der Straße in eine Wohnung ist sehr schwierig", hatte Dieter Breuer, Vorstandsmitglied der Initiative, bei der Grundsteinlegung gesagt.
Richtfest gefeiert
Jetzt, beim Richtfest für die Wohnungen, kann Breuer verkünden „alle 20, mit denen wir angefangen haben, sind dabei geblieben und sind scharf darauf, bald ihre eigene Wohnung zu kriegen. Außerdem gibt es etliche neue Anfragen, die wir leider ablehnen müssen."
Und dabei ist mehr Arbeit auf die Obdachlosen zugekommen, als erwartet. Die ursprüngliche Planung hatte vorgesehen, dass sie sich nur um den Abbruch überflüssig gewordener Bauwerke kümmern und Gärten anlegen sollten.
Einen Großteil der sonstigen Aufgaben wollten Firmen des zweiten Arbeitsmarktes übernehmen, ABM-Träger wie die Ökobau GmbH und vor allem der Ehrenfelder Verein für Arbeits-beschaffung (EVA).
Doch diese konnten ihre Zusagen nur beschränkt einhalten.
Einerseits hatte man ihnen nicht jene Stellen bewilligt, die sie erwartet hatten; sie verfügten also nicht über genügend Arbeiter. Andererseits konnten sie ihre Unterstützung nicht so kostengünstig anbieten wie vorgesehen. Gelöst haben das Problem die Obdachlosen selbst. Sie übernahmen zusätzlich das Mauern und Fliesenlegen und setzten Fenster ein.
Das die Arbeiten so zügig vorangehen, das wurde nun mit einer ausgelassenen Party gefeiert. Die Hausband – bestehend aus künftigen Bewohnern – spielte, ein befreundeter Elvis-Imitator rockte los.
Die 46 neuen Wohnungen, die sich die Obdachlosen im Rahmen des Projektes herrichten, wachsen am Rande des sogenannten Ossendorfparks. Auf dem insgesamt knapp 25 Hektar großen Gesamtareal werden alles in allem 1400 Wohnungen gebaut. Zu dem Projekt gehört ein Neubau, in dem elf Wohnungen Platz finden werden. Das Gebäude befindet sich im Rohbauzustand, in vier oder fünf Monaten soll es bezugsfertig sein. Die 35 weiteren Wohnungen kommen in ein sanierungsbedürftiges Kasernengebäude, das unter Denkmalschutz steht. Hier gibt`s noch einiges zu tun, eineinhalb bis zwei Jahre wird es sicherlich noch dauern, bis alles fertig ist. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 7,5 Millionen Mark. Getragen werden sie teils vom Land Nordrhein-Westfalen, teils durch ein Bankdarlehen.
Die Obdachlosen, die übergangsweise in Wohnwagen leben, bauen sich in Ossendorf nicht nur ihr Heim, sondern auch ihren Arbeitsplatz. Eine Fahrradwerkstatt und eine Kleiderkammer haben sie eingerichtet, in den Gärten pflanzen sie Gemüse an, halten sie Kaninchen und Hühner, um sich weitgehend selbst zu versorgen.